Veröffentlicht am Mo., 16. Nov. 2015 14:05 Uhr

Trauer in Mexiko

Was stellt man sich unter einem mexikanischen Totenfest vor? Wie trauern Mexikaner*innen?

Die Dekoration im Foyer des Gemeindehauses war schon beeindruckend. Fast mutete sie einen an wie ein Altar oder Gabentisch: Blumen, Kakteen, Figuren als Tod verkleidet, Gerippe mit einer Flasche in der Hand und die berühmte „Calavera Catrina“.

Tiere und Figuren in Miniatur. Kleine Süßigkeiten Haushaltsgegenstände, Viele Kerzen. Kerzenleuchter mexikanischer Art. Gebackene kleine Kuchen und Früchte.

Ein buntes Bild voller Fröhlichkeit

Die Dekoration war eine Augenweide. Bunt und sehr lebendig. Gar nicht traurig, sondern tröstlich trotz der vielen „Calaveras de dulce“ (Totenköpfe). Auch die fröhliche mexikanischer Volksmusik fehlte nicht. Sie hieß uns willkommen und diente beim anschließenden Essen als Unterhaltung.

Ein 3000 Jahre alter Brauch

Angela Founes, aufgewachsen in Mexiko, Sterbebegleiterin; in der Hospizbewegung engagiert und Bestatterin in Berlin, erläuterte den Jahrtausende alten Brauch.

Am Allerseelenfest(30.10. bis 2.11.) bauen die Mexikaner*innen ihren Verstorbenen zu Hause einen Altar auf und dekorieren ihn mit dem Lieblingsessen der Verstorbenen sowie einem Foto. Daneben legen sie einen Totenschädel aus Zuckerguss mit dem Namen des Verstorbenen. Abends pilgern alle mit Kerzen und Picknickkorb zum Friedhof, um zusammen mit ihren Verstorbenen am Grab zu speisen, zu trinken, zu tanzen und zu singen. An diesen Tagen ist der Tod überall präsent und wird dadurch ein normaler Teil des Lebens. So werden z.B. aus Pappmaschee Skelette geformt, die alle möglichen verschiedenen Lebenssituationen darstellen, z.B. ein ganzes Orchester mit Sombreros und Instrumenten. Oder diese Skelette werden in Alltagsszenen dargestellt.

Der Tod gehört zum Leben

Die Nacht vom 31.Oktober zum 1.November ist der Ankunft der „angelitos“ gewidmet, der als „Engelchen“ bezeichneten toten Kinder. Sie bekommen besondere Gaben, wie z.B. ihr Lieblingsspielzeug. 3 Tage dauert das Totenfest in Mexiko. Es wird mit viel Fröhlichkeit begangen,der Tod gehört zum Leben.

Von der Stimmung ließen wir uns gerne anstecken

Die Teilnehmer*innen des Trauercafés waren sehr interessiert, den fremden Brauch der mexikanischen Kultur kennenzulernen. Jede*r hatte eine kleines Bild seines Verstorbenen aufgestellt, zündete eine Kerze an und sprach ein paar liebevolle Worte.

Kleine Anekdoten zum Leben der Lieben wurden erzählt. Manches war zum Schmunzeln und manch kleine Träne ist geflossen. Das gehört dazu. Durch das Kerzenlicht war die Stimmung weich und entspannt. Von allen Lieblingsspeisen der Verstorbenen wurde probiert. Es war ein schöner Abschluss, nach dem wir entspannt und getröstet nach Hause gehen konnten.

Kategorien Trauerbegleitung